Eine Weihnachtsgeschichte!

Herr Engel, Metallbauer in Horw bei Luzern, erhielt Mitte Dezember Besuch von einem Engel,

der in der Behindertenwerkstatt Brändi in Horw bei Luzern stationiert war.

Der Engel war irritiert, schaute Herrn Engel im Türrahmen an.

Herr Engel seinerseits schaute die weissgewandete Gestalt ebenfalls überrascht an.

Beim Engel rasten Fragen durch sein himmlisches Oberstübchen:

War dieser Herr Engel ein Engel? 

Ein richtiger Engel, ein richtiger Kollege? Also, himmlisch sah er bei Gott nicht aus.

Jedoch entschied er sich für Engel.

Bei Kafi mit Güggs (Schnaps und viel Zucker) erklärte der Engel sein Kommen,

schüttete seinem vermeintlichen Compagnon sein Herz aus:

 

Er, der beflügelte Mittler zwischen Himmel und Erde, fühle sich alleingelassen.

Er, als Aussenstation des himmlischen Hauptbüros, er als fühlender Seismograph

der irdischen Befindlichkeit, fühle sich vom Himmel vergessen.

Der Support vom Himmel sei für ihn Manna, Auftrieb, ein stärkendes Elixier.

Um in diesen düsteren Zeiten auf Erden überhaupt leuchten zu können, brauche er

diese Unterstützung unbedingt!

Jedoch gerade im November/Dezember, in diesen dunklen Tagen, flackere sein Lichtlein bedrohlich.

Das dürfe nicht sein! Gerade in diesen Tagen

müsste er voll geladen sein Licht verschenken können, und Leuten damit über die Runden helfen!

 

Klar könne er den fehlenden Support verstehen!

Zu oft sei er selbst in den himmlischen Werkstätten den Auftragswünschen der unersättlichen Erdlingen hinterher gehetzt, habe dabei naserümpfend sogar unter dem Flügelansatz geschwitzt!

Igittigitt! Dies sei neben dem Falschsingen des Hosiannas eines der schlimmsten Engelvergehen.

Und noch viel schlimmer sei es, dass gegen Engelschweiss nichts, aber gar nix half!

Einzig ein bisschen Aufatmen bringe das sich Reiben an den Schäfliwolken. Die Wolle transportiere und transpiriere weg.

Aber, …wer habe in diesem Weihnachtsstress noch Zeit, in den kargen Pausen zu den eher entlegeneren Wölkchen zu flattern???

Und der Wind stelle sich zu oft stur! Er hätte doch einige dieser kostbaren Wölkchen in die Nähe der Werkstätten blasen können! Dieser sture Bock ohne Einfühlungsvermögen!

 

Diese grenzenlosen Wunschforderungen der Menschen , dieser Lieferdruck auf einen Termin,

ver-rücke jährlich im Dezember  die ganze himmlische Ordnung.

 

 

Und so könne er schon nachvollziehen, dass das himmlische Mutterhaus gerade in der so seligen, lichtervollen Adventszeit ihre wichtigen Aussenposten auf dem Planet Erde schlicht vergessen könne.  

 

Und er habe gemerkt, dass er sich selber durchbeissen müsse.

Tröstend für ihn sei einzig,  zu wissen, dass er ab Januar wieder mehr Hosianna, wieder mehr Liebe von oben erhalten würde.

Aber jetzt müsse er sich selber helfen!

In einem seiner einsamsten Momente,

wo er sich am liebsten in dunklem Eck verkrochen hätt,

sei er auf die Idee gekommen,

einen andern Engel-Aussenposten ausfindig zu machen.

Und dies dünkte ihn schwierig. Denn aus Datenschutzgründen habe er bei Petrus nie Einsicht ins Borderau mit den irdischen  Standortadressen seiner Kollegen erhalten.

Aber da er von den Menschen auch einiges gesehen und gelernt hätte, wusste er von PC, von GOOGLE, von search.ch.

( dies dürfte er in der Ewigkeit nie erzählen, er käme schön flach raus!)

Also sei er mitten in der Nacht in die Brändi-Buchhaltung im 1.Stock geschwebt, habe einen PC gestartet, und  in der Adresssuche ENGEL eingegeben.

Er sei von Engeladressen überschwemmt worden.

Er habe dann das Gebiet auf LUZERN eingegrenzt.

Hier sei er fündig geworden.

Ja, so habe  er ihn, den Kollegen Metallbauer- Engel gefunden.

 

Nach dem Kafi,

als der Engel dem Hr. Engel alles erzählt hatte,

herrschte Stille in der Küche an der Mattenstr.7 in Horw.

Dann stand Hr. Engel auf, band sich eine Kochschürze um den stattlichen Bauch,  

und lud den Engel feierlich zu einem klein-festlichen Mahl ein.

Der Engelbesuch solle sich doch am Weingestell einen ihm passenden Wein aussuchen,

und sich dann derweilen auf dem Sofa genüsslich ausstrecken.

Dem Engel kitzelten die Flügelansätze als Zeichen von herrlichem Wohlbefinden.

ER war superdankbar, dass er einem verständnisvollen Kollegen seinen Kummer erzählen konnte.

Es war ihm leicht ums Herz. 

Er fühlte sich wie im Himmel.

Er lümmelte sich auf das geblümte Sofa und war glück- und freudvoll.